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Verbreitete Irrtümer

60 Sätze, die wir oft hören

Manche davon stimmten vor zehn Jahren. Manche haben nie gestimmt. Gemeinsam ist ihnen, dass sie im Ernstfall teuer werden.

Aus Kundengesprächen Ohne Panikmache Mit Begründung
Im Einzelnen

Was wir hören und was stimmt

Keiner dieser Sätze ist dumm. Die meisten klingen plausibel — das ist genau das Problem.

Mythos

Ein RAID ist eine Datensicherung.

Wirklichkeit

Ein RAID fängt den Ausfall einer Platte ab. Gegen versehentliches Löschen, Verschlüsselung oder Blitzschlag hilft es nicht.

Mythos

Microsoft sichert meine Daten in 365.

Wirklichkeit

Microsoft sichert die Infrastruktur, nicht Ihre Inhalte über längere Zeiträume. Ein gelöschtes Postfach ist nach der Frist weg.

Mythos

Wir sind zu klein für einen Angriff.

Wirklichkeit

Angriffe laufen automatisiert. Sie suchen keine Ziele aus — sie probieren alles durch, was erreichbar ist.

Mythos

Der Virenschutz reicht aus.

Wirklichkeit

Bei einer gefälschten Anmeldeseite gibt es keine Schadsoftware. Der Angreifer bekommt die Daten, weil sie eingegeben wurden.

Mythos

Cloud ist immer günstiger.

Wirklichkeit

Über fünf Jahre liegen beide Wege oft nah beieinander. Der Unterschied liegt in der Kostenart, nicht im Betrag.

Mythos

Passwörter muss man regelmäßig wechseln.

Wirklichkeit

Nach heutigem Stand nur bei Verdacht. Der erzwungene Wechsel führt zu Sommer2026, Herbst2026 — und ist damit leichter zu erraten.

Mythos

Windows 10 läuft doch noch.

Wirklichkeit

Es läuft, bekommt aber seit Oktober 2025 keine Sicherheitsupdates mehr. Jede neue Lücke bleibt dauerhaft offen.

Mythos

WLAN im Büro reicht für die Halle.

Wirklichkeit

Metallregale, Höhe und Fahrzeuge verändern die Ausleuchtung völlig. Was im Büro trägt, bricht in der Halle nach zehn Metern ab.

Mythos

Cat 7 ist besser als Cat 6A.

Wirklichkeit

Am Ende sitzt eine RJ45-Buchse. Damit richtet sich die Leistung nach der Buchse, nicht nach dem Kabel.

Mythos

Ein Notfall ist unwahrscheinlich.

Wirklichkeit

Die Frage ist nicht ob, sondern wann. Entscheidend ist, wie lange der Wiederanlauf dauert — und ob jemand ihn schon einmal geübt hat.

Mythos

Ein Passwort mit Sonderzeichen ist sicher.

Wirklichkeit

Länge schlägt Komplexität. Vier zufällige Wörter sind sicherer als acht Zeichen mit Ausrufezeichen am Ende.

Mythos

Bei uns arbeitet niemand mit sensiblen Daten.

Wirklichkeit

Personaldaten, Kundenadressen, Bankverbindungen — sensible Daten gibt es in jedem Betrieb, oft ohne dass jemand daran denkt.

Mythos

Die Cloud ist unsicher.

Wirklichkeit

Rechenzentren haben Schutzmaßnahmen, die kein Serverraum im Betrieb hat. Das Risiko liegt beim Zugang, nicht beim Standort.

Mythos

Ein Server hält zehn Jahre.

Wirklichkeit

Technisch oft ja. Nur läuft das Betriebssystem vorher aus dem Support — und dann gibt es keine Sicherheitsupdates mehr.

Mythos

Wir haben eine Firewall, das reicht.

Wirklichkeit

Eine Firewall bewacht die Grenze. Gegen eine gefälschte Anmeldeseite im Browser hilft sie nicht.

Mythos

Updates kann man auch später machen.

Wirklichkeit

Zwischen der Veröffentlichung eines Updates und den ersten Angriffen darauf liegen oft nur Stunden.

Mythos

Mein Rechner ist zu alt für Angreifer.

Wirklichkeit

Alte Systeme sind das bevorzugte Ziel — weil ihre Lücken bekannt und nicht mehr geschlossen sind.

Mythos

Der Virenschutz hat nichts gefunden, also ist alles gut.

Wirklichkeit

Kein Fund heißt nicht kein Befall. Es heißt: nichts erkannt worden.

Mythos

Wir sichern auf eine externe Festplatte, das genügt.

Wirklichkeit

Solange sie angesteckt ist, wird sie mitverschlüsselt. Eine Sicherung muss vom System getrennt sein.

Mythos

Bei uns kann keiner etwas löschen.

Wirklichkeit

Der häufigste Datenverlust entsteht nicht durch Angriffe, sondern durch versehentliches Löschen und Überschreiben.

Mythos

Homeoffice ist automatisch unsicher.

Wirklichkeit

Es kommt auf die Technik an. Bei einem Terminalserver verlassen die Daten den Server nie — das ist sicherer als ein Firmenlaptop unterwegs.

Mythos

Wir brauchen keine Dokumentation, wir wissen das alles.

Wirklichkeit

Bis jemand krank wird, kündigt oder in Urlaub fährt. Dann kostet die fehlende Dokumentation genau dann Zeit, wenn keine da ist.

Mythos

IT-Betreuung lohnt sich erst ab zehn Mitarbeitern.

Wirklichkeit

Ab einem Arbeitsplatz. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern was ein Ausfall bei Ihnen kostet.

Mythos

Ein Wartungsvertrag ist rausgeworfenes Geld.

Wirklichkeit

In einem guten Jahr ja. Er lohnt sich, weil er die Zahl der schlechten Jahre senkt.

Mythos

Wir rufen an, wenn etwas kaputt ist — das reicht.

Wirklichkeit

Dann ist es bereits kaputt. Überwachung meldet die volle Festplatte, bevor der Server stehenbleibt.

Mythos

WLAN ist überall gleich.

Wirklichkeit

Zwischen Büro und Produktionshalle liegen Welten. Metall, Höhe und Fahrzeuge verändern die Ausleuchtung völlig.

Mythos

Netzwerkkabel ist Netzwerkkabel.

Wirklichkeit

Zwischen einer sauber aufgelegten Dose und einer schlampigen liegt der Unterschied zwischen 10 Gbit/s und sporadischen Abbrüchen.

Mythos

Das Kabel kann der Elektriker mitziehen.

Wirklichkeit

Kann er. Ob die Strecke die Leistungsklasse erfüllt, zeigt aber erst die Messung — und die gehört zum Auftrag.

Mythos

Wir haben doch Glasfaser, dann ist alles schnell.

Wirklichkeit

Der Anschluss ist eine Sache, das Netz im Haus eine andere. Ein alter Switch bremst die schnellste Leitung aus.

Mythos

Ein teurer Rechner ist automatisch besser.

Wirklichkeit

Der häufigere Fehler ist nicht zu wenig, sondern zu viel Leistung. Ein Büroarbeitsplatz braucht keine Konstruktionsgrafikkarte.

Mythos

Ein PDF per E-Mail ist eine E-Rechnung.

Wirklichkeit

Nein. Verlangt ist ein strukturierter Datensatz. ZUGFeRD ist die Ausnahme — dort steckt er im PDF.

Mythos

Rechnungen ausdrucken und abheften genügt.

Wirklichkeit

Aufzubewahren ist der Originaldatensatz, nicht der Ausdruck. Das fällt erst bei einer Prüfung auf.

Mythos

E-Mail-Archivierung brauchen nur große Firmen.

Wirklichkeit

Die Aufbewahrungspflichten gelten unabhängig von der Betriebsgröße — ab der ersten geschäftlichen E-Mail.

Mythos

Der Papierkorb ist mein Archiv.

Wirklichkeit

Ein Ordner im Postfach lässt sich jederzeit verändern. Verlangt ist eine Ablage, in der das technisch ausgeschlossen ist.

Mythos

Videoüberwachung darf man einfach aufhängen.

Wirklichkeit

Erfassungsbereich, Beschilderung, Löschfristen und Zugriffsregelung gehören vorher geklärt. Die Technik ist der einfachere Teil.

Mythos

Aufnahmen kann man beliebig lange speichern.

Wirklichkeit

Nur so lange, wie es für den Zweck nötig ist. Bei Diebstahlschutz sind das häufig wenige Tage.

Mythos

Kameras schrecken schon ab, auch wenn sie nicht aufzeichnen.

Wirklichkeit

Attrappen können abschrecken — im Schadensfall haben Sie dann aber nichts in der Hand.

Mythos

Zwei-Faktor ist viel zu umständlich.

Wirklichkeit

Für die ersten Tage stimmt das. Danach sind es zwei Sekunden — und es ist die wirksamste Einzelmaßnahme überhaupt.

Mythos

Wenn ich klicke, merke ich das schon.

Wirklichkeit

Heutige Phishing-Seiten sind sprachlich einwandfrei und tragen das richtige Logo. Erkennbar sind sie an der Adresszeile, nicht am Gefühl.

Mythos

Bei Verdacht erstmal abwarten.

Wirklichkeit

Genau umgekehrt. In der ersten halben Stunde lässt sich der meiste Schaden noch verhindern.

Mythos

Nach einem Angriff einfach neu aufsetzen.

Wirklichkeit

Wer sofort neu installiert, löscht die Spuren mit — und lässt oft genau den Weg offen, über den der Angreifer kam.

Mythos

Der Chef braucht sich an Regeln nicht zu halten.

Wirklichkeit

Wenn Regeln für alle gelten außer für die Chefetage, gelten sie faktisch für niemanden. Beim Chef-Trick ist das entscheidend.

Mythos

Wir zahlen im Notfall einfach das Lösegeld.

Wirklichkeit

Es gibt keine Garantie auf die Entschlüsselung, und die Zahlung macht Sie zum bekannten Ziel für den nächsten Versuch.

Mythos

Eine Cyberversicherung ersetzt Vorsorge.

Wirklichkeit

Versicherungen fragen zunehmend nach dem Stand der Systeme. Ein abgekündigtes Betriebssystem kann die Regulierung erschweren.

Mythos

Unsere Branche interessiert niemanden.

Wirklichkeit

Handwerk, Kanzleien und Praxen sind besonders betroffen — weil dort viel Geld bewegt wird und selten jemand für IT zuständig ist.

Mythos

IT-Sicherheit ist ein Produkt, das man kauft.

Wirklichkeit

Sie besteht aus mehreren Schichten, die zusammenpassen müssen — und aus Menschen, die wissen, worauf zu achten ist.

Mythos

Einmal geschult reicht.

Wirklichkeit

Eine dreistündige Schulung im Januar ist im März vergessen. Kurz und wiederkehrend wirkt besser als lang und einmalig.

Mythos

Wer einen Fehler macht, ist selbst schuld.

Wirklichkeit

Wo Vorwürfe drohen, wird nicht gemeldet. Und ungemeldete Vorfälle sind die teuren.

Mythos

Der schnellste Anbieter ist der beste.

Wirklichkeit

Wichtiger ist, ob jemand die Anlage kennt. Ein Techniker ohne Dokumentation braucht auch vor Ort erst einmal eine Stunde.

Mythos

Wechseln ist zu aufwendig.

Wirklichkeit

Bestandsaufnahme, Dokumentation und Übernahme laufen im Betrieb — in aller Regel ohne einen einzigen Ausfalltag.

Mythos

Ein günstiges Angebot ist ein gutes Angebot.

Wirklichkeit

Wenn eines deutlich günstiger ist, fehlt meist etwas: die Messung, die Überwachung oder die Behebung von Störungen.

Mythos

Pauschalpreise sind immer teurer.

Wirklichkeit

Über das Jahr selten. Sie sind vor allem planbar — und der Anbieter hat ein Interesse daran, dass wenig kaputtgeht.

Mythos

Wir brauchen keinen Serverraum, der Schrank im Büro reicht.

Wirklichkeit

Wärme ist der häufigste Grund für vorzeitigen Hardwareausfall. Ein Server in der Abstellkammer altert schneller.

Mythos

Die Steckdosenleiste tut es auch.

Wirklichkeit

Bis zum ersten Gewitter. Ein Überspannungsschutz kostet wenig, ein neuer Server viel.

Mythos

Strom ist Strom.

Wirklichkeit

Ein Server, der bei jedem kurzen Ausfall hart abschaltet, nimmt jedes Mal Schaden — meist unbemerkt, bis der Datenbestand beschädigt ist.

Mythos

Virtualisierung ist nur für große Unternehmen.

Wirklichkeit

Schon bei zwei Serveraufgaben lohnt sie sich, weil Sicherung und Wiederanlauf deutlich einfacher werden.

Mythos

Mehrere Systeme auf einer Maschine sind langsamer.

Wirklichkeit

Bei richtiger Auslegung nicht spürbar. Entscheidend sind Arbeitsspeicher und schnelle Datenträger, nicht die Anzahl.

Mythos

Microsoft 365 richtet man einmal ein und gut.

Wirklichkeit

Rechte, Freigaben und Gruppen wachsen zu. Nach zwei Jahren weiß oft niemand mehr, wer welche Datei sehen kann.

Mythos

Alle Microsoft-365-Pakete sind gleich.

Wirklichkeit

Die Preisunterschiede sind erheblich. Häufig zahlen Betriebe für Funktionen, die niemand nutzt — oder es fehlt genau die eine.

Mythos

Ein ausgeschiedener Mitarbeiter — Postfach löschen, fertig.

Wirklichkeit

Geschäftliche Nachrichten unterliegen Aufbewahrungspflichten, und der Nachfolger braucht Zugriff. Es gibt einen geordneten Weg.

Woher das kommt

Halbwissen entsteht nicht aus Dummheit

IT verändert sich schneller als das Wissen darüber. Was 2015 richtig war, kann heute falsch sein — beim Passwortwechsel etwa hat sich die Empfehlung ins Gegenteil gedreht. Wer nicht täglich damit zu tun hat, kann das nicht verfolgen. Genau dafür gibt es uns.

Wir sagen, wenn sich eine Empfehlung geändert hat
Wir begründen, statt auf Angst zu setzen
Wir sagen auch, wenn etwas bei Ihnen nicht nötig ist
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Christian Wichert
INHABER · FAST 30 JAHRE IN DER IT
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