Was eine Datensicherung wirklich leisten muss
Fast jeder Betrieb hat eine Sicherung. Deutlich weniger wissen, ob sie gestern gelaufen ist. Und die wenigsten haben je ausprobiert, ob sich daraus etwas zurückholen lässt.
Die 3-2-1-Regel
Drei Kopien der Daten, auf zwei verschiedenen Medien, eine davon außer Haus. Das klingt aufwendig, ist aber der Standard — und der Unterschied zwischen einem ärgerlichen Tag und einer existenzbedrohenden Woche.
Drei Kopien
Das Original und zwei Sicherungen. Zwei deshalb, weil auch eine Sicherung ausfallen kann — und weil man einen Fehler oft erst bemerkt, wenn man ihn schon mitgesichert hat.
Zwei verschiedene Medien
Liegen beide Sicherungen auf demselben Gerät, fällt bei dessen Defekt alles gemeinsam aus. Üblich sind ein NAS-System im Haus und zusätzlich Cloud-Speicher oder Band.
Eine außer Haus
Feuer, Wasser und Diebstahl treffen den Serverraum und die Sicherung daneben gleichermaßen. Eine Kopie muss räumlich getrennt liegen.
Der Punkt, den fast alle übersehen
Eine Sicherung, die ständig erreichbar ist, wird bei einem Verschlüsselungsangriff mitverschlüsselt. Angreifer suchen gezielt danach, bevor sie zuschlagen — genau deshalb, weil eine funktionierende Sicherung ihr Geschäftsmodell zerstört.
Deshalb gehört mindestens eine Kopie ausgekoppelt: auf einem Medium, das nicht dauerhaft am Netz hängt, oder in einem Speicher, der nachträgliches Verändern technisch ausschließt.
Die zwei Fragen, die alles bestimmen
Bevor über Technik gesprochen wird, gehören zwei Fragen beantwortet. Sie entscheiden über das Konzept und über die Kosten:
- Wie viel Datenverlust wäre verkraftbar — eine Stunde, ein Tag, eine Woche?
- Wie lange dürfte es dauern, bis wieder gearbeitet werden kann?
Wer bei der zweiten Frage „eine Stunde“ sagt, braucht etwas anderes als wer „ein Tag“ sagt — und zahlt ein Vielfaches. Beides ist legitim. Falsch ist nur, die Frage nicht zu stellen und im Ernstfall festzustellen, dass die Antwort nicht passt.
Warum die ungeprüfte Sicherung das eigentliche Problem ist
Wir finden regelmäßig Sicherungen, die seit Monaten mit Fehler abbrechen, ohne dass es jemand bemerkt hat. Die Meldung ging an ein Postfach, das niemand liest, oder sie ging gar nicht raus.
Zwei Dinge gehören deshalb dazu: eine Überwachung, die meldet, wenn ein Durchlauf nicht sauber beendet wurde — am selben Tag, nicht am Monatsende. Und ein regelmäßiger Rücksicherungstest, weil erst der zeigt, ob das Konzept trägt.
Eine Sicherung, die niemand prüft, ist ein Versprechen ohne Deckung.
Ein Sonderfall: Microsoft 365
Ein verbreiteter Irrtum ist, dass Microsoft die eigenen Daten sichert. Microsoft sichert die Infrastruktur — also dafür, dass der Dienst läuft. Für versehentlich gelöschte Postfächer, überschriebene Dateien oder einen kompromittierten Zugang über längere Zeiträume ist das nicht gedacht.
Eine eigene Sicherung der Postfächer und Dateien ist deshalb sinnvoll, auch wenn alles in der Cloud liegt.
Häufige Fragen dazu
Wie oft sollte gesichert werden?
Das hängt davon ab, wie viel Datenverlust verkraftbar wäre. Üblich ist mindestens täglich, bei kritischen Systemen häufiger. Die Frage lautet nicht „wie oft geht technisch“, sondern „wie viel Arbeit dürfte im Ernstfall verloren gehen“.
Reicht ein NAS im Serverraum?
Als eine von mehreren Kopien ja, als einzige nein. Feuer, Wasser, Diebstahl und Verschlüsselungsangriffe treffen den Serverraum und das NAS darin gemeinsam.
Was kostet eine ordentliche Datensicherung?
Das hängt an der Datenmenge, der gewünschten Aufbewahrungsdauer und daran, wie schnell der Wiederanlauf gehen muss. Verglichen mit den Kosten einer Datenrettung oder einer Woche Stillstand ist es in nahezu jedem Fall der günstigere Weg.
Testen Sie die Rücksicherung?
Wir empfehlen und begleiten regelmäßige Rücksicherungstests. Nur so wissen Sie vorher, dass das Konzept trägt — statt es im Ernstfall herauszufinden.
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