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Betrugsmaschen erkennen

Sechzehn Maschen, die uns bei Betrieben im Kreis Soest, in Hamm und im Kreis Unna tatsächlich begegnen — mit Ablauf und Erkennungsmerkmal.

16 Maschen Aus der Region Ohne Panikmache

# Betrugsmaschen erkennen: 16 Beispiele aus dem Betriebsalltag

Betrugsmaschen ändern sich, das Muster dahinter bleibt gleich: Es wird Druck aufgebaut, eine Rückfrage soll verhindert werden, und am Ende steht eine Zahlung oder ein Zugang. Wer das Muster kennt, erkennt auch eine Masche, die er noch nie gesehen hat.

Diese Übersicht beschreibt sechzehn Maschen, die uns bei Betrieben im Kreis Soest, in Hamm und im Kreis Unna tatsächlich begegnen — jeweils mit dem Ablauf und dem Merkmal, an dem man sie erkennt. Wir haben uns dabei an der Maschenübersicht der Polizeilichen Kriminalprävention orientiert und auf das zugeschnitten, was im Betriebsalltag vorkommt.

Die einfachste Regel dazu stammt von der Polizei und heißt SHS: Stoppen, Hinterfragen, Schützen. Anhalten, statt sofort zu reagieren. Prüfen, ob etwas wirklich stimmt. Und erst dann handeln.

CEO-Fraud

Eine Anweisung, die scheinbar von der Geschäftsführung kommt.

So läuft es ab
  1. Täter lesen mit: Website, Impressum, LinkedIn, Abwesenheitsnotizen.
  2. Mail an die Buchhaltung — dringend, vertraulich, vom Chef.
  3. Hinweis, gerade nicht telefonieren zu können.
  4. Überweisung auf ein fremdes Konto.
Woran Sie es erkennen

Eile plus Vertraulichkeit plus „bin nicht erreichbar" — diese Kombination gibt es im echten Betriebsalltag nicht.

Der teuerste Betrug gegen Mittelständler braucht keine Schadsoftware. Er braucht nur eine Mail, die aussieht, als käme sie vom Chef.

So läuft es ab: Die Täter lesen zusammen, was öffentlich über den Betrieb zu finden ist — wer die Geschäftsführung ist, wer in der Buchhaltung arbeitet, wann jemand im Urlaub ist. Dann kommt die Mail. Dringend, vertraulich, mit dem Hinweis, gerade in einer Besprechung zu sein und nicht telefonieren zu können.

Genau dieser Hinweis ist das Verräterische. Er soll den einen Anruf verhindern, der alles auffliegen ließe.

Was zuverlässig schützt, ist keine Technik, sondern eine Regel, die jeder im Betrieb kennt: Zahlungsanweisungen per Mail werden grundsätzlich telefonisch bestätigt — mit einer Nummer, die man schon hatte. Und wer nachfragt, bekommt keinen Ärger. Auch nicht freitags um halb fünf.

Infografik zur Betrugsmasche CEO-Fraud: Ablauf und Erkennungsmerkmal

Rechnungsumleitung

Eine echte Rechnung mit einer fremden Bankverbindung.

So läuft es ab
  1. Ein Postfach im Schriftverkehr wird übernommen.
  2. Die Täter lesen mit und warten auf eine offene Rechnung.
  3. Sie melden eine „neue Bankverbindung".
  4. Das Geld ist in Stunden weitergeleitet.
Woran Sie es erkennen

Eine geänderte Bankverbindung. Immer telefonisch prüfen — mit der Nummer aus dem alten Schriftverkehr.

Diese Masche trifft kleine Betriebe härter als jede Schadsoftware, und sie kommt oft aus einem echten Postfach.

Der Ablauf: Irgendwo in der Kette — bei Ihnen oder bei Ihrem Lieferanten — wurde ein Mailkonto übernommen. Die Täter lesen wochenlang mit, lernen Tonfall und Abläufe und warten auf eine Rechnung, die ohnehin ansteht. Dann melden sie eine geänderte Bankverbindung.

Weil Betrag, Bezug und Ansprechpartner stimmen, fällt nichts auf. Überwiesen wird an ein fremdes Konto, und das Geld ist meist innerhalb weniger Stunden weitergeleitet.

Die einzige Regel, die zuverlässig hilft: Eine geänderte Bankverbindung wird nie per Mail bestätigt, sondern per Telefon — mit der Nummer aus dem alten Schriftverkehr, nicht mit der aus der neuen Mail. Zwei Minuten gegen einen fünfstelligen Schaden.

Infografik zur Betrugsmasche Rechnungsumleitung: Ablauf und Erkennungsmerkmal

Phishing

Eine nachgebaute Anmeldeseite, die Zugangsdaten abgreift.

So läuft es ab
  1. Mail mit dringendem Anlass: Postfach voll, Passwort läuft ab.
  2. Der Link führt auf eine täuschend echte Anmeldeseite.
  3. Eingetippte Zugangsdaten landen direkt bei den Tätern.
  4. Ab da arbeiten sie mit einem gültigen Zugang.
Woran Sie es erkennen

Prüfen Sie die Adresszeile, nicht das Schloss. Auch gefälschte Seiten haben eines.

Phishing ist der häufigste Einstieg in ein Firmennetz — und der unauffälligste, weil dabei gar keine Schadsoftware zum Einsatz kommt.

Die Mail meldet etwas Dringendes: Das Postfach sei voll, das Passwort laufe ab, eine Nachricht warte. Der Link führt auf eine Seite, die aussieht wie die echte. Wer dort eintippt, verschenkt seinen Zugang. Ab da meldet sich der Angreifer ganz normal an — für jeden Virenschutz ein unauffälliger Vorgang.

Ein weit verbreiteter Irrtum: Das Schloss im Browser sagt nichts über die Seriosität einer Seite. Es bedeutet nur, dass die Leitung verschlüsselt ist. Auch nachgebaute Seiten haben eines, denn die nötigen Zertifikate sind kostenlos.

Was zuverlässig hilft: die Adresszeile lesen statt auf das Schloss zu schauen — und die Anmeldung mit einem zweiten Nachweis absichern. Dann ist ein abgegriffenes Passwort allein wertlos.

Infografik zur Betrugsmasche Phishing: Ablauf und Erkennungsmerkmal

Quishing

Ein QR-Code, der auf eine gefälschte Seite führt.

So läuft es ab
  1. QR-Code im Brief, auf der Rechnung oder als Aufkleber.
  2. Gescannt wird meist mit dem privaten Handy.
  3. Die Zieladresse ist im Code nicht lesbar.
  4. Es folgt eine nachgebaute Anmelde- oder Zahlseite.
Woran Sie es erkennen

Vor dem Antippen die eingeblendete Adresse lesen. Und Aufkleber auf fremden Codes prüfen.

QR-Codes sind praktisch und haben einen Nachteil: Man sieht ihnen nicht an, wohin sie führen.

Genau das nutzen Täter. Die Codes kommen im Brief, der wie von der Bank aussieht, auf einer angeblichen Rechnung oder als Aufkleber, der über einen echten Code an einer Ladesäule oder einem Parkautomaten geklebt wurde.

Zwei Dinge machen die Masche im Betrieb gefährlich. Gescannt wird meist mit dem privaten Handy, auf dem kein Firmenschutz greift. Und auf dem kleinen Bildschirm ist eine gefälschte Adresse schlechter zu erkennen als am Rechner.

Was hilft: Beim Scannen zeigt das Handy die Adresse an, bevor die Seite öffnet — die kurz lesen. Bei Codes im Briefkasten oder auf Rechnungen gilt dasselbe wie bei Links in Mails: nicht scannen, sondern die Adresse selbst eintippen, die man ohnehin kennt.

Infografik zur Betrugsmasche Quishing: Ablauf und Erkennungsmerkmal

Fake-Kundenservice

Ein angeblicher Microsoft- oder Telekom-Mitarbeiter ruft an.

So läuft es ab
  1. Anruf oder Warnfenster: Ihr Rechner sei befallen.
  2. Der Anrufer bittet um Fernzugriff zur „Prüfung".
  3. Er zeigt harmlose Systemmeldungen als Beweis.
  4. Danach: Zahlung, Kontozugriff oder eingebaute Hintertür.
Woran Sie es erkennen

Kein Hersteller ruft unaufgefordert wegen eines Virus an. Auflegen ist die richtige Reaktion.

Ein Anruf, angeblich von Microsoft: Auf Ihrem Rechner sei ein Virus gefunden worden, man wolle helfen. Oder ein Fenster im Browser, das sich nicht schließen lässt, mit einer Rufnummer für den Support.

Was dann passiert: Der Anrufer bittet um Fernzugriff. Er öffnet die Ereignisanzeige, in der bei jedem Windows-Rechner Warnungen stehen, und deutet sie als Befall. Danach geht es um eine Zahlung, um Onlinebanking oder darum, unbemerkt einen Zugang einzurichten.

Die Sache ist einfacher, als sie klingt: Kein Hersteller ruft unaufgefordert an, weil auf einem einzelnen Rechner ein Virus wäre. Er wüsste es gar nicht. Auflegen ist die vollständig richtige Reaktion.

Wichtig für Betriebe: Sagen Sie Ihren Leuten, dass Auflegen ausdrücklich erwünscht ist. Viele bleiben in der Leitung, weil sie niemanden vor den Kopf stoßen wollen — und genau darauf setzen die Anrufer.

Infografik zur Betrugsmasche Fake-Kundenservice: Ablauf und Erkennungsmerkmal

Branchenbuch-Falle

Ein Formular, das aussieht wie eine Korrektur, aber ein Vertrag ist.

So läuft es ab
  1. Ein Schreiben bittet um Prüfung Ihrer Firmendaten.
  2. Es sieht amtlich aus und wirkt wie eine Korrektur.
  3. Im Kleingedruckten steht ein mehrjähriger Vertrag.
  4. Danach kommen Rechnungen und Mahnungen.
Woran Sie es erkennen

Kostenlose Einträge verlangen keine Unterschrift. Vor dem Unterschreiben das Kleingedruckte lesen.

Diese Masche kennt fast jeder Betrieb, und sie funktioniert seit Jahrzehnten: ein Schreiben, das aussieht wie eine Datenkorrektur für ein Branchenverzeichnis. Man möge die Angaben prüfen und zurücksenden.

Im Kleingedruckten steht ein Vertrag über mehrere Jahre mit einem jährlichen Betrag. Wer unterschreibt, bekommt Rechnungen und, wenn er nicht zahlt, Mahnungen und Post von einer Kanzlei.

Zwei Merkmale kommen fast immer vor: eine amtlich wirkende Aufmachung, teils mit Adlern oder Behördenfarben — und Ihre Daten sind bereits eingetragen, was den Eindruck erzeugt, es bestehe schon eine Geschäftsbeziehung.

Die Regel dazu ist kurz: Ein kostenloser Verzeichniseintrag verlangt nie eine Unterschrift. Kommt so ein Schreiben ins Haus, gehört es nicht ins Ausgangsfach, sondern erst einmal beiseite — und im Zweifel zum Steuerberater oder zur IHK, die solche Muster kennen.

Infografik zur Betrugsmasche Branchenbuch-Falle: Ablauf und Erkennungsmerkmal

Die Bewerbung mit Anhang

Eine Bewerbung, deren Lebenslauf Schadsoftware enthält.

So läuft es ab
  1. Bewerbung auf eine echte, ausgeschriebene Stelle.
  2. Höflich formuliert, mit Bezug zur Anzeige.
  3. Im Anhang eine Datei, die als Lebenslauf getarnt ist.
  4. Ein Klick genügt — die Personalabteilung muss ja öffnen.
Woran Sie es erkennen

Bewerbungsdateien nur als PDF annehmen und in einer geprüften Umgebung öffnen lassen.

Wer eine Stelle ausschreibt, macht sich angreifbar — und kann es nicht vermeiden. Bewerbungen kommen von Fremden, mit Anhang, und jemand muss sie öffnen.

Genau darauf setzt diese Masche. Die Mail bezieht sich auf Ihre echte Anzeige, ist höflich formuliert und wirkt in nichts verdächtig. Im Anhang steckt statt eines Lebenslaufs eine Datei, die beim Öffnen Schadsoftware nachlädt.

Was hilft: Bewerbungen möglichst über ein Formular auf der eigenen Website annehmen statt per Mailanhang. Wo das nicht geht, nur PDF akzeptieren und das auch in der Anzeige schreiben — Word-Dateien und alles Archivierte sind das eigentliche Risiko. Und die Personalpostfächer gehören mit einer Prüfung versehen, die Anhänge in einer abgeschotteten Umgebung öffnet, bevor sie ankommen.

Diese Prüfung ist in den besseren Microsoft-365-Paketen enthalten. In den günstigen nicht.

Infografik zur Betrugsmasche Die Bewerbung mit Anhang: Ablauf und Erkennungsmerkmal

Deepfake-Anruf

Eine bekannte Stimme am Telefon, die es nie gesagt hat.

So läuft es ab
  1. Wenige Sekunden Stimme genügen — aus Video oder Mailbox.
  2. Anruf oder Sprachnachricht klingt wie der Chef.
  3. Es geht um eine dringende, vertrauliche Zahlung.
  4. Auch Videokonferenzen lassen sich fälschen.
Woran Sie es erkennen

Zurückrufen unter der bekannten Nummer. Eine Stimme ist kein Nachweis mehr.

Bisher galt: Im Zweifel anrufen. Diese Regel bekommt gerade einen Zusatz.

Aus wenigen Sekunden Sprachaufnahme — einem Video auf der Website, einer Mailboxansage, einem Vortrag — lässt sich heute eine Stimme nachbilden, die überzeugend klingt. Es gibt Fälle, in denen Mitarbeiter eine Anweisung von einer vertrauten Stimme bekamen, die nie gesprochen wurde. Auch Videokonferenzen sind inzwischen fälschbar.

Die Regel bleibt trotzdem richtig, sie muss nur richtig herum angewendet werden: Nicht auf einen eingehenden Anruf vertrauen, sondern selbst zurückrufen — unter der Nummer, die man schon hatte. Ein eingehender Anruf beweist nichts, ein selbst gewählter schon.

Für Betriebe mit größeren Zahlungen lohnt zusätzlich ein vereinbartes Rückfragewort, das nirgends digital steht. Das klingt nach Agentenfilm und kostet nichts.

Infografik zur Betrugsmasche Deepfake-Anruf: Ablauf und Erkennungsmerkmal

Fake-Shop

Ein Onlineshop, der bestellte Ware nie liefert.

So läuft es ab
  1. Ein Angebot deutlich unter Marktpreis, oft bei knapper Ware.
  2. Der Shop wirkt professionell, mit Siegeln und Bewertungen.
  3. Beim Bezahlen bleibt am Ende nur Vorkasse übrig.
  4. Nach der Zahlung: keine Ware, kein Kontakt.
Woran Sie es erkennen

Wenn im letzten Schritt alle Zahlarten bis auf Vorkasse verschwinden, abbrechen.

Fake-Shops treffen nicht nur Privatleute. Wer im Betrieb kurzfristig Material, Werkzeug oder Hardware sucht und dabei auf ein günstiges Angebot stößt, ist genauso im Zielbereich.

Die Shops sehen professionell aus. Siegel lassen sich als Bild einbinden, Bewertungen erfinden, Impressum abschreiben. Auffällig wird es meist erst beim Bezahlen: Kauf auf Rechnung und Lastschrift werden angeboten, funktionieren aber angeblich gerade nicht — übrig bleibt Vorkasse.

Genau das ist der Moment zum Abbrechen. Bei Vorkasse gibt es keinen Weg zurück; das Geld ist weg, sobald es überwiesen ist.

Was in zwei Minuten Klarheit schafft: Impressum prüfen und die Adresse suchen, Shopnamen zusammen mit dem Wort Erfahrungen suchen, und darauf achten, wie alt die Domain ist. Ein Shop, den es seit drei Wochen gibt, verkauft selten Markenware zum halben Preis.

Infografik zur Betrugsmasche Fake-Shop: Ablauf und Erkennungsmerkmal

Dreiecksbetrug

Sie verkaufen ehrlich und werden trotzdem zum Beschuldigten.

So läuft es ab
  1. Der Täter inseriert Ihre Ware ein zweites Mal, günstiger.
  2. Ein gutgläubiger Käufer überweist an Sie.
  3. Sie sehen Geldeingang und liefern an den Täter.
  4. Der Käufer zeigt Sie an — er hat nichts bekommen.
Woran Sie es erkennen

Stimmen Name des Überweisenden und Name des Käufers nicht überein: nachfragen, nicht liefern.

Diese Masche ist besonders unangenehm, weil sie ehrliche Verkäufer trifft und sie hinterher wie Betrüger dastehen lässt.

So funktioniert sie: Sie bieten etwas an — eine Maschine, ein Fahrzeug, gebrauchte Hardware. Ein Täter kopiert Ihr Inserat und stellt es günstiger woanders ein. Ein gutgläubiger Käufer meldet sich dort, bekommt Ihre Kontodaten genannt und überweist an Sie. Sie sehen den Geldeingang und liefern — an den Täter, der sich als Käufer ausgegeben hat.

Am Ende hat der echte Käufer bezahlt und nichts bekommen. Er zeigt Sie an, denn auf seinem Kontoauszug steht Ihr Name.

Das Erkennungsmerkmal ist unscheinbar: Der Name auf der Überweisung passt nicht zu dem, mit dem Sie geschrieben haben. Wenn das auffällt: nicht liefern, sondern nachfragen. Und beim Verkauf ruhig einmal suchen, ob das eigene Inserat noch woanders auftaucht.

Infografik zur Betrugsmasche Dreiecksbetrug: Ablauf und Erkennungsmerkmal

Fake-Abmahnung

Post von einer Kanzlei, die es nicht gibt.

So läuft es ab
  1. Angebliche Urheberrechts- oder Datenschutzverletzung.
  2. Kurze Frist, konkreter Betrag, drohender Ton.
  3. Die Kanzlei existiert nicht oder weiß von nichts.
  4. Bezahlt wird auf ein Konto im Ausland.
Woran Sie es erkennen

Kanzlei und Aktenzeichen prüfen — und niemals auf die Kontaktdaten aus dem Schreiben verlassen.

Eine Abmahnung im Briefkasten oder Postfach löst zuverlässig Stress aus. Genau damit arbeitet diese Masche.

Der Vorwurf klingt plausibel: ein Bild auf Ihrer Website ohne Lizenz, ein Datenschutzverstoß im Kontaktformular. Dazu eine kurze Frist, ein konkreter Betrag und ein Ton, der keine Rückfragen vorsieht.

Was oft nicht stimmt: Die Kanzlei existiert gar nicht — oder es gibt sie, aber sie hat das Schreiben nie verschickt. Ihr Briefkopf wurde benutzt.

Wichtig ist die Reihenfolge. Nicht zahlen, aber auch nicht ignorieren, denn echte Abmahnungen gibt es ebenfalls und die haben Fristen. Prüfen Sie die Kanzlei im Anwaltsverzeichnis und rufen Sie dort unter der Nummer an, die Sie selbst gefunden haben — nicht unter der aus dem Schreiben.

Bei einer echten Abmahnung ist der nächste Anruf der beim eigenen Anwalt, nicht der bei der Gegenseite.

Infografik zur Betrugsmasche Fake-Abmahnung: Ablauf und Erkennungsmerkmal

Anlagebetrug

Ein Anlageangebot mit Rendite, die es nicht gibt.

So läuft es ab
  1. Werbung oder Anruf mit auffällig sicherer Rendite.
  2. Eine Plattform zeigt steigende Gewinne — auf dem Papier.
  3. Auszahlungen funktionieren anfangs, um Vertrauen aufzubauen.
  4. Bei größeren Beträgen: Gebühren, Steuern, dann Funkstille.
Woran Sie es erkennen

Prüfen Sie den Anbieter in der Unternehmensdatenbank der BaFin, bevor Sie irgendetwas überweisen.

Anlagebetrug klingt nach einem Thema für Privatleute. Betroffen sind aber auch Unternehmer, die Rücklagen anlegen wollen — und die Beträge sind entsprechend größer.

Der Ablauf ist gleichbleibend: Ein Angebot mit einer Rendite, die auffällig gut und angeblich sicher ist. Eine Plattform zeigt steigende Gewinne. Kleine Auszahlungen funktionieren tatsächlich — das baut Vertrauen auf und bringt dazu, mehr einzuzahlen. Bei größeren Beträgen kommen dann Gebühren, Steuern oder Freigabezahlungen. Danach ist Funkstille.

Die Zahlen auf der Plattform sind reine Anzeige. Es gibt keine Anlage, die dahintersteht.

Die Prüfung dauert fünf Minuten: Die BaFin führt eine Datenbank der zugelassenen Anbieter und veröffentlicht Warnmeldungen zu unerlaubten Geschäften. Wer dort nicht steht, bekommt kein Geld — unabhängig davon, wie professionell der Auftritt wirkt.

Infografik zur Betrugsmasche Anlagebetrug: Ablauf und Erkennungsmerkmal

Die Nachricht mit neuer Nummer

Eine Nachricht von einem Bekannten mit angeblich neuer Nummer.

So läuft es ab
  1. „Hallo Papa, mein Handy ist kaputt — neue Nummer."
  2. Auch im Geschäftlichen: ein Kollege, ein Kunde.
  3. Es folgt die Bitte um eine dringende Überweisung.
  4. Gezahlt wird oft, weil der Ton vertraut wirkt.
Woran Sie es erkennen

Unter der alten Nummer anrufen. Wer wirklich ein neues Handy hat, geht auch dort ran.

Die bekannteste Fassung dieser Masche ist „Hallo Papa, mein Handy ist kaputt". Weniger bekannt ist, dass sie auch im Geschäftlichen auftaucht: eine Nachricht von einem Kollegen, einem Kunden, einem Lieferanten mit angeblich neuer Nummer.

Was sie so wirksam macht, ist der Kanal. Eine Messenger-Nachricht wirkt privater und dringlicher als eine Mail, und niemand erwartet dort einen Betrugsversuch. Dazu kommt der vertraute Ton — die Namen und Umstände stammen oft aus öffentlich zugänglichen Quellen.

Die Gegenmaßnahme ist banal und funktioniert: Rufen Sie unter der alten Nummer an. Wer wirklich ein neues Handy hat, geht dort trotzdem ran oder meldet sich zurück. Wer nicht rangeht, hat die Frage beantwortet.

Und im Betrieb gilt: Zahlungsanweisungen kommen nicht über Messenger. Diese eine Festlegung erspart die ganze Diskussion.

Infografik zur Betrugsmasche Die Nachricht mit neuer Nummer: Ablauf und Erkennungsmerkmal

Die Erpressungsmail

Eine Mail behauptet, Ihr Rechner sei gefilmt worden.

So läuft es ab
  1. Behauptung: Kamera gehackt, Aufnahmen vorhanden.
  2. Als „Beweis" ein Passwort aus einem alten Datenleck.
  3. Frist von 48 Stunden, Zahlung in Kryptowährung.
  4. Es gibt keine Aufnahmen. Der Versand ist automatisiert.
Woran Sie es erkennen

Das genannte Passwort stammt aus einem Datenleck. Ändern — und die Mail löschen.

Diese Mail kommt in fast jedem Betrieb irgendwann an, und sie ist unangenehm, weil sie manchmal ein echtes Passwort enthält.

Der Inhalt: Man habe die Kamera übernommen und Aufnahmen gemacht, zahlen Sie innerhalb von 48 Stunden in Kryptowährung, sonst gehen die Bilder an Ihre Kontakte. Als Beweis wird ein Passwort genannt.

Dieses Passwort ist echt — es stammt aber aus einem Datenleck bei irgendeinem Anbieter, bei dem man vor Jahren ein Konto hatte. Solche Listen sind im Umlauf und werden massenhaft angeschrieben. Es gibt keine Aufnahmen, niemand hat sich Ihren Rechner angesehen, und der Versand läuft automatisiert an Zehntausende.

Was zu tun ist: nicht zahlen, nicht antworten. Das genannte Passwort überall ändern, wo es noch verwendet wird — das ist die eigentliche Information in dieser Mail. Und danach löschen.

Sagen Sie Ihren Leuten vorher davon. Sonst zahlt jemand aus Verlegenheit, ohne zu fragen.

Infografik zur Betrugsmasche Die Erpressungsmail: Ablauf und Erkennungsmerkmal

Abofalle

Ein kostenloser Test, der still in ein Abo übergeht.

So läuft es ab
  1. Kostenloser Zugang oder Gratistest, Anmeldung mit Kartendaten.
  2. Die Kündigungsfrist läuft in der Testphase ab.
  3. Danach wird monatlich abgebucht.
  4. Beträge sind klein genug, um nicht aufzufallen.
Woran Sie es erkennen

Beim Gratistest sofort den Kündigungstermin in den Kalender eintragen.

Abofallen leben davon, dass kleine Beträge nicht auffallen. Im Betrieb ist das besonders wirksam, weil die Buchhaltung einen Monatsbetrag von wenigen Euro selten hinterfragt.

Der übliche Weg führt über einen kostenlosen Test: ein Werkzeug, ein Bilderdienst, eine Vorlagensammlung. Angemeldet wird mit Kartendaten für die spätere Abrechnung. Die Kündigungsfrist läuft aber innerhalb der Testphase ab — wer erst am Ende daran denkt, ist zu spät.

Der Klassiker im Geschäftsalltag sind Dienste, die abgelöst, aber nie gekündigt wurden. Wir finden bei Bestandsaufnahmen regelmäßig Positionen, die seit Jahren laufen und niemandem mehr nützen.

Zwei Gewohnheiten helfen: Bei jedem Gratistest sofort den Kündigungstermin in den Kalender eintragen. Und einmal im Jahr bezahlte gegen genutzte Dienste abgleichen. Das dauert wenige Stunden und findet fast immer etwas.

Infografik zur Betrugsmasche Abofalle: Ablauf und Erkennungsmerkmal

Der Anhang, der nachlädt

Eine Mail mit Anhang, der Schadsoftware nachlädt.

So läuft es ab
  1. Der Betreff passt: Rechnung, Lieferschein, Mahnung.
  2. Im Anhang ein Office-Dokument oder ein Archiv.
  3. Beim Öffnen wird um „Bearbeitung aktivieren" gebeten.
  4. Erst dieser Klick lädt die Schadsoftware nach.
Woran Sie es erkennen

Kein echtes Dokument braucht, dass Sie erst etwas aktivieren.

Der klassische Weg für Schadsoftware führt weiterhin über den Mailanhang — nur ist der Betreff heute passend gewählt: Rechnung, Lieferschein, Mahnung, Bewerbung.

Der entscheidende Moment kommt beim Öffnen. Das Dokument zeigt eine Meldung, man müsse die Bearbeitung oder Inhalte aktivieren, damit es richtig angezeigt wird. Erst dieser Klick startet den Vorgang, der die Schadsoftware nachlädt.

Merken Sie sich diesen einen Satz: Kein echtes Dokument braucht, dass Sie erst etwas aktivieren. Wenn eine Datei das verlangt, ist die Antwort schließen — und den Absender anrufen, falls die Rechnung plausibel wirkt.

Technisch lässt sich viel abfangen: eine Prüfung, die Anhänge vor der Zustellung in einer abgeschotteten Umgebung öffnet, erkennt auch Schadcode, den noch niemand kennt. Der Virenschutz auf dem Rechner erkennt nur Bekanntes.

Infografik zur Betrugsmasche Der Anhang, der nachlädt: Ablauf und Erkennungsmerkmal
Unsere Rolle

Was im Betrieb wirklich hilft

Auffällig an allen sechzehn Maschen ist, wie wenige davon technisch anspruchsvoll sind. Die meisten funktionieren über Zeitdruck und darüber, dass eine Rückfrage unterbleibt. Deshalb wirken organisatorische Festlegungen hier besser als jede Software:

1. Zahlungen werden telefonisch bestätigt. Geänderte Bankverbindungen und dringende Anweisungen grundsätzlich — mit einer Nummer aus dem alten Schriftverkehr, nie mit der aus der Nachricht. 2. Ab einem festen Betrag schauen zwei Menschen drauf. Die Höhe legen Sie fest, die Regel gilt ausnahmslos. Auch für die Geschäftsführung. 3. Nachfragen ist ausdrücklich erwünscht. Wer meldet, bekommt keinen Ärger. Wer schweigt, schon. Das ist die billigste Sicherheitsmaßnahme, die es gibt. 4. Zwei-Faktor-Anmeldung auf allen Postfächern. Damit die Kette gar nicht erst beginnt: Die meisten Betrugsversuche mit echtem Absender fangen mit einem übernommenen Konto an.

Im Ernstfall

Wenn es passiert ist

Wenn Geld überwiesen wurde: sofort die eigene Bank anrufen und den Vorgang melden. In manchen Fällen lässt sich eine Überweisung noch stoppen — diese Chance besteht nur in den ersten Stunden. Danach Anzeige bei der Polizei erstatten; das geht in Nordrhein-Westfalen auch online über die Onlinewache.

Wenn ein Zugang betroffen ist: Passwort ändern reicht nicht. Es müssen auch alle aktiven Anmeldungen beendet werden, sonst bleibt ein Angreifer eingeloggt. Danach prüfen, ob Weiterleitungsregeln im Postfach angelegt wurden — das ist das häufigste Zeichen für eine Übernahme und wird am häufigsten übersehen.

Und wenn dabei personenbezogene Daten betroffen sein könnten, läuft eine Meldefrist von grundsätzlich 72 Stunden. Die Bewertung dieser Frage gehört zu Ihrem Datenschutzbeauftragten — wir sorgen dafür, dass nachvollziehbar ist, was passiert ist.

Unsere Rolle

Wir helfen bei der technischen Seite

Wir richten die Absicherung ein, die diese Maschen ins Leere laufen lässt: Zwei-Faktor-Anmeldung, Prüfung von Anhängen und Links vor der Zustellung, die Einträge, mit denen Empfänger erkennen können, ob eine Mail wirklich von Ihnen kommt. Und wir schulen Ihr Team — ohne Panikmache, an echten Beispielen aus der Region.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Was ist CEO-Fraud?
Beim CEO-Fraud erhält meist die Buchhaltung eine Mail, die scheinbar von der Geschäftsführung stammt und eine dringende, vertrauliche Überweisung anweist. Häufig enthält sie den Hinweis, man sei gerade nicht telefonisch erreichbar — genau dieser Hinweis soll die Rückfrage verhindern.
Woran erkenne ich eine gefälschte Rechnung?
Das häufigste Merkmal ist eine geänderte Bankverbindung. Weil die Mail oft aus einem tatsächlich übernommenen Postfach stammt, stimmen Betrag, Bezug und Ansprechpartner. Jede geänderte Bankverbindung sollte telefonisch bestätigt werden — mit einer Nummer aus dem alten Schriftverkehr.
Ist das Schloss im Browser ein Zeichen für eine echte Seite?
Nein. Das Schloss bedeutet nur, dass die Verbindung verschlüsselt ist. Die dafür nötigen Zertifikate sind kostenlos erhältlich, weshalb auch nachgebaute Anmeldeseiten eines haben. Maßgeblich ist die Adresse in der Adresszeile.
Was tun, wenn schon überwiesen wurde?
Sofort die eigene Bank anrufen und den Vorgang melden. In manchen Fällen lässt sich eine Überweisung in den ersten Stunden noch stoppen. Danach Anzeige bei der Polizei erstatten, in Nordrhein-Westfalen auch über die Onlinewache möglich.
Ihr Ansprechpartner

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Christian Wichert
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